Wir sind die Straße oft gefahren.

   Zwischen Halle und Magdeburg waren wir auf dem Weg zur Arbeit, nach Hause oder auf der Durchreise. Die Eindrücke waren flüchtig. Imbißbuden entstanden, die Staus in den Orten wurden länger, die Spuren immer ausgefahrener.
   Streckenweise verließen wir den vertrauten Weg, wechselten auf die neu gebaute Trasse der A14.
   Jetzt, fast ein Jahrzehnt nach dem Mauerfall hielten wir an und schauten. Uns interessierte, was die veränderten Bewegungsmöglichkeiten im Leben der Menschen bewirkt haben. Diesen Wandel auf der Straße und in den Biografien dokumentiert unsere Arbeit "Straßenbekanntschaften".
   Wir begegneten älteren Menschen, die ihr Leben für gelebt halten und jungen die keine andere Zeit kennen und auch jenen, die sich in der Mitte ihres Lebens mit der neuen Situation auseinandersetzen. Vor diesem Hintergrund entstanden nach sehr offenen Gesprächen Portraits mit Bezug zur Zeit und zur persönlichen Situation.
Anders als in den Gesichtern der Menschen zeichnen sich die Veränderungen in der Landschaft deutlicher ab. Die Autobahn schneidet sich rasant ihren Weg durch die unberührt scheinende Erde Sachsen-Anhalts. Abseits der ehemaligen Fernverkehrsst verbindet sie bald Halle mit Magdeburg. Inzwischen bleibt der Durchgangsverkehr von Orten fern, die auf der A14 umfahrbar sind. Imbißbuden verwaisen und in den Dörfern wird es wieder ruhiger.
   Die Autobahn erlaubt immer höhere Geschwindigkeiten. Das Verkehrsaufkommen Steigt. Aber die Bewegung fließt auch wieder an den Menschen vorbei.
Wir fotografieren weiter.

Halle im Herbst 1999